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Schlaucharten – gibt es die perfekte Lösung?

Kein Thema ist wohl so umstritten in der Fahrradwelt, wie das der richtigen Schlauchwahl! Von einem altbewährten Butyl-Schlauch über den leichten TPU-Schlauch bis hin zu gar keinem Schlauch, ist jede Art des Fahrradschlauches mittlerweile auf der Straße zu sehen. Das Problem: Jeder Radfahrer schwört auf die Eine, verteufelt dafür aber eine andere Art von Schlauch. Gibt es sowas wie die „perfekte“ Lösung um die Luft im Reifen zu halten?

Am meisten verbreitet sind Butyl-, Latex- und TPU-Schläuche. Auch die Tubeless- (also Schlauchlos) Variante hat schon seit langem mehr als nur eine Daseinsberechtigung. Jede dieser Arten hat seine Vor- und Nachteile.

Butyl-Schlauch 
Der Klassiker unter den Fahrradschläuchen! Der aus Butylkautschuk gefertigte Fahrradschlauch ist in den meisten Fahrrädern standardmäßig verbaut und in so gut wie jedem Fahrradladen erhältlich. Die Qualität der Schläuche hängt von der Verwendung von Zusatzstoffen innerhalb der Gummimischung ab. Hierbei unterscheiden sich die Hersteller voneinander. Auch das Gewicht der Reifen variiert mit dem Einsatzgebiet.

Vorteile
– Preis: die Schläuche sind online und auch im Geschäft preiswert zu erwerben
-Montage: der Schlauch kann schon mit ein bisschen Übung auch selber bei einer Panne geflickt werden
– Luftverlust: Butylkautschuk ist in der Lage, Luft für einen langen Zeitraum zu halten

Nachteile
-Gewicht: Die meisten Butylschläuche sind schwerer als andere Alternativen. Je nach Einsatzgebiet um die 180 Gramm
– Pannensicherheit: Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ist der Butylschlauch anfälliger für Pannen

Latex-Schlauch

Die aus Naturlatex hergestellten Schläuche sind außen mit einer Talkumschicht versehen. Letztere sorgt dafür, dass der Schlauch nicht im Reifen klebt. Zusammen mit der hohen Flexibilität des Latex kann der Latexschlauch bei Durchstechen des Reifens nachgeben und gewährleistet somit einen höheren Pannenschutz. Wichtig: Der Latexschlauch sollte nicht in Verbindung mit Fett oder Öl kommen und vor Tageslicht und Hitze geschützt werden um das Material zu schonen.

Vorteile
-Pannensicherheit: Latexschläuche weisen im Vergleich zu Butylschläuchen eine höhere Durchschlagsresistenz auf
-Gewicht: Latexschläuche sind mit 75-145 Gramm deutlich leichter als Butylschläuche.
– Rollwiderstand: die Flexibilität des Latex sorgt für einen verbesserten Rollwiderstand

Nachteile
– Luftverlust: Naturlatex ist anfällig für einen starken Luftverlust. Es ist zu empfehlen, den Luftdruck vor jeder Tour zu kontrollieren.

TPU-Schläuche

TPU ist die Abkürzung für Thermoplastisches Polyurethan. Ein Elastomer, welche die Eigenschaften von Gummi und Kunststoff vereint. Um den richtigen TPU-Schlauch für den eigenen Reifen zu finden, muss auf folgendes geachtet werden. Nicht jeder TPU-Schlauch ist für Felgenbremsen geeignet. Durch die starke Hitzeentwicklung an der Felge während des Bremsens kann der Kunststoff des Schlauches beschädigt werden. Wiederum andere Hersteller, wie zum Beispiel Schwalbe, bieten TPU-Schläuche, welche für den Einsatz mit Felgenbremse gefertigt sind. Die optimale Gewichtsersparnis erhält man mit Kunststoffventilen, welche zum Beispiel von Tubolito angeboten werden. Die Gewichtsersparnis hat jedoch seinen Preis, Kunststoffventile sind bei hohem Drücken anfälliger zu brechen.  Schwalbe bietet mit ihrem Aerothan Schlauch einen TPU-Schlauch mit einem Metallventil.

Vorteile
– Gewicht: mit 25-45 Gramm der leichteste Schlauch aktuell
– Luftverlust: eine geringe Permeabilität sorgt für weniger Luftverlust
– Pannenschutz: besserer Pannenschutz im Gegensatz zu herkömmlichen Schläuchen
– Nachhaltigkeit: TPU kann recycelt und wiederverwendet werden
– Reifendruck: der Reifen kann mit weniger Luftdruck gefahren werden, da schneller eine höhere Oberflächenspannung erreicht wird

Nachteile
– Montage: bei der Montage ist Vorsicht geboten, gerade am Ventil können scharfe Kanten schnell den Schlauch beschädigen
– Preis: deutlich teurer als herkömmliche Schläuche
– Reparatur: für die TPU-Schläuche gibt es spezielle Pannensets
– plastische Verformung: der Kunststoff dehnt sich aus und geht danach nicht mehr in seine Ausgangsform zurück. Wurde der Schlauch also für eine gewisse Reifengröße genutzt, kann nicht mehr auf eine kleinere Größe gewechselt werden

Tubeless Reifen

„Tubeless“ wird, wie der Name schon sagt, ohne jeglichen Schlauch gefahren.
Der Reifen dichtet hierbei so mit der Felge ab, dass keine Luft mehr entweicht. Diese Abdichtung wird durch die genaue Passform von Reifen und Felge gewährleistet. Bevor man also den Fahrradschlauch weglässt, achten Sie unbedingt bei Felge und Reifen auf eine „Tubeless ready“ oder „Tubeless easy“ Markierung. Damit verspricht der Hersteller die genaue Bearbeitung, welche für das Tubeless-System notwendig ist.
Die Dichtmilch unterstützt den Reifen und dichtet kleine Löcher zwischen Felge und Reifen ab. Außerdem ist Dichtmilch in der Lage größere Löcher während der Fahrt aufzufüllen und zu schließen. Standard-Latexsealents füllen Löcher mit einem Durchmesser von 3-6mm auf.  Bei einem Lochdurchmesser über 6mm ist es empfehlenswert das Loch mit einem Plug zu versorgen und zu flicken.

Gerade im Mountainbike Bereich ist das Tubeless-System oft gefragt, da es mit einem niedrigen Luftdruck fahrbar ist. Apropos Luftdruck: CO2 Kartuschen sorgen durch den starken Luftdruck dafür, dass der Reifen einfacher auf die Felge springt. Auch hier muss man darauf achten, dass die CO2 Kartusche für Tubeless-Systeme geeignet sind. Bei herkömmlichen CO2 Kartuschen ist der Temperaturunterschied aufgrund der schnell entweichenden Luft zu groß und die Dichtmilch kann verklumpen.

Vorteile

-Reifendruck: kann mit niedrigem Luftdruck gefahren werden
-geringer Rollwiderstand
-Pannenschutz: durch die „Selbstheilung“ der Dichtmilch weniger anfällig für Platten

Nachteile

-kostenintensiv
-viele Komponenten müssen extra für Tubeless-System gemacht worden sein
-Montage: plötzlicher hoher Luftdruck sorgen dafür, dass der Reifen schnell auf die Felge springt. Eine normale Handpumpe erschwert es solche hohen Luftdrücke zusammen zu bringen. 

Eigene Meinung

Es gibt nicht den perfekten Fahrradschlauch! Jede Art von Schlauch hat seine Vor- und Nachteile. Am wichtigsten ist das Einsatzgebiet des Fahrrades. Fahren Sie mit ihrem Fahrrad lediglich zum einkaufen, ist der alltagstaugliche Butyl-Schlauch die richtige Lösung. Wollen Sie auf Ihrem Rennrad noch ein bisschen mehr Gewicht sparen, probieren Sie den leichten TPU-Schlauch aus. Sind Sie mehr im Gelände unterwegs und benötigen geringen Luftdruck um den richtigen Grip zu gewährleisten kann das Tubeless-System Ihren Anforderungen gerecht werden. 

Eine „perfekte Lösung“ gibt es nicht, aber es gibt eine Lösung, welche Sie in dem erreichen Ihrer Ziele unterstützen kann und am meisten Fahrspaß bietet.

Wir beraten Sie gerne, wenn es darum geht Ihre individuelle Lösung zu finden!

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